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| Kritik der politischen Ökonomie: Eine Einführung von
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Michael Heinrichs "Kritik der Politischen Ökonomie - Eine Einführung"??
• • • • • (bewertet mit 2 von 5 Punkten)
"Der Titel täuscht. Es handelt sich weniger um eine Einführung in die Marxsche Ökonomiekritik als vielmehr um eine im Geiste der sogenannten "Neuen Marxlektüre" geführte Abrechnung mit der marxistischen Arbeiterbewegung. Und dabei springt Marx gleich mit über die Klinge. Die Polemik gegen den Traditionsmarxismus ist der rote Faden in Heinrichs "Kritik der politischen Ökonomie". Konkrete Theoretiker, konkrete Schriften, konkrete Textstellen werden allerdings kaum benannt. Immer wieder sagt uns Heinrich, was die Traditionsmarxisten denken würden. Niemals sagt er uns, welcher Traditionsmarxist es wann und wo geschrieben hat. Einschlägige Zitate oder Quellenangaben sucht man vergeblich. Ein Manko, das jedem Studenten im Grundstudium angekreidet würde, hier hat es System: Es wird nicht belegt, es wird behauptet. Und so wundert sich der Traditionsmarxist: Bei Heinrich erfährt er, dass er den Wert "substantialistisch" als dingliche Eigenschaft der einzelnen Ware auffasst, dass er den Begriff der Ausbeutung als moralische Kategorie missversteht, dass er die Dialektik "als eine Art Wunderwaffe, mit der man Alles und Jedes erklären konnte" betrachtet, oder dass für seinen Kommunismusbegriff in erster Linie die Frage einer anderen Verteilung zentral ist, sodass ihm "auch schon ein autoritärer Wohlfahrtsstaat, der sogar gewisse marktwirtschaftliche Strukturen beibehält" als Sozialismus oder Kommunismus gilt. Wer also ist "Traditionsmarxist"? Engels? Kautsky? Bernstein? Luxemburg? Lenin? Hilferding? Bauer? Adler? Gramsci? Brecht? Grossmann? Varga? Sweezy? Lukács? Bloch? Mao? Guevara? Mattik? Kuczynski? Sartre? Poulantzas? Mandel? Abendroth? Haug? Schon eine oberflächliche Lektüre der Werke dieser Autoren macht klar: Den Traditionsmarxismus hat es nie gegeben, Heinrichs zentrale Kategorie ist theoriegeschichtlich völlig unbrauchbar. Sehr brauchbar ist sie hingegen als rhetorischer Kniff: Wer seine Gegner als "Traditionalisten" abqualifiziert, erstrahlt selbst im Lichte des revolutionären Neuerers. Eines reichlich arroganten Neuerers obendrein: "Was Ende des 19. Jahrhunderts in der Sozialdemokratie als Marxismus dominierte, bestand aus einer Sammlung von ziemlich schematischen Auffassungen: Ein äußerst simpel gestrickter Materialismus, bürgerliches Fortschrittsdenken, ein paar stark vereinfachte Elemente der Hegelschen Philosophie und Versatzstücke Marxscher Begrifflichkeiten wurden zu einfachen Formeln und Welterklärungen kombiniert." Wer so über die Schriften eines August Bebel, eines Karl Kautsky, eines Franz Mehring oder einer Rosa Luxemburg schreibt, hat sich als Theoriehistoriker sein Urteil selbst gesprochen."
Eine Rezension von Georg Weerth >
vom 3. Dezember 2009 | | |
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