Kritik der politischen Ökonomie: Eine Einführung
von



 
Verständliche Zusammenfassung von Marx' Kapital
• • • •   (bewertet mit 4 von 5 Punkten)

Das Buch ist eine kompakte und verständliche Zusammenfassung von Marx' Werk "Das Kapital". Jeder Autor, der sich heute an einer solchen Aufgabe versucht, stößt auf mehrere große Probleme:
- Einerseits soll eine Wiedergabe authentisch sein
- Andererseits hat sich die Welt seit Marx' Zeiten erheblich verändert
- Auch Marx' würde sicherlich sein Buch heute anders schreiben, so wie Marx sich zu seinen Lebzeiten ständig weiter entwickelt hat
- Schließlich hat es von Anhängern und Feinden des Marxismus gleichermaßen etliche Verzerrungen und Verfälschungen der Gedanken von Marx gegeben, etwa in der DDR
Wie also dem Werk treu und dennoch aktuell bleiben? Michael Heinrich ist dieses Kunststück weitgehend gelungen. Der Autor bezieht sich genau auf das historische Werk und findet dennoch immer wieder Bezüge zur Gegenwart.

Dennoch hat es einige Schwächen:
- Heinrich hält die Aussage vom Tendenziellen Fall der Profitrate für falsch (S. 152). Seine Argumentation folgt der Logik, dass das Gesetz von der Schwerkraft falsch sein müsse, weil sich nicht alle Gegenstände allmählich am Boden sammeln.
- Heinrich spricht, wie es heute verbreitet ist, vom "Platzen von Blasen" (S. 168). Dies ist falsch, weil es suggeriert, dass ein instabiler Zustand in einen stabileren übergeht. Tatsächlich ist der Kapitalismus in seiner Produktion ebenso dynamisch und gewaltig wie in seiner Zerstörungskraft.
- Heinrich interpretiert das Manifest der Kommunistischen Partei so, dass es behaupte, die Klassengegensätze würden im Kapitalismus automatisch deutlicher (S. 180). Tatsächlich ist dort gemeint, dass sich die Vorurteile des Feudalismus im Kapitalismus auflösen.
- Heinrich spricht wiederholt wie bürgerliche Wirtschaftler von "Arbeitskräften", wo Arbeiter gemeint sind. Das kollidiert mit dem marxistischen Fachbegriff "Arbeitskraft", der die Fähigkeit zum Arbeiten definiert.
- Heinrich sieht neben den Klassengegensätzen auch Rassismus, Sexismus usw. als erheblichen gesellschaftlichen Konflikt an (S. 196). Das mag modern klingen, aber ist insofern unsinnig, als Rassismus, Sexismus usw. nur unter besonderen gesellschaftlichen Verhältnissen existieren.
- Auch die Interpretation der Marxschen Theorie als eine Art Revolutionsautomatik (S. 200) halte ich für fragwürdig. Marx hat m.E. keine Prophezeiungen abgegeben, sondern erklärt, dass die Widersprüche im kapitalistischen System dieses langfristig sprengen müssen.

Trotz alledem ist das Buch lehrreich und lesenswert. Vor allem, wenn man andere, oberflächliche Erklärungen zu kapitalistischen Krisen liest, wird man dankbar die erwähnten kleinen Schwächen dieses Buches schlucken.
Eine Rezension von Oliver Völckers > Berlin, Germany
vom 24. April 2009
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